Aus einem Trauergespräch

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Die ersten Sekunden am Morgen

In einem Trauergespräch erzählt eine Frau, dass die ersten Sekunden nach dem Aufwachen für sie die schönsten sind.

Noch ganz verschlafen zwischen Traum und aufwachen.
Für einen kleinen Moment ist alles wie früher.
Sie denkt nicht darüber nach, was passiert ist.
Sie weiß noch nicht, dass jemand fehlt.
Und dann kommt dieser eine Gedanke.
Ganz leise zuerst.
Und plötzlich mit voller Wucht:
Er ist nicht mehr da.

Dann ist die Wirklichkeit wieder da und mit ihr die Trauer.
Jeden Morgen aufs Neue.
Manchmal wünscht sie sich, sie könnte einfach noch ein bisschen länger in diesem Zwischenraum bleiben. In diesem kurzen Moment, in dem er noch Teil ihres Lebens ist.
Denn dort ist er noch.
Seine Stimme.
Sein Lachen.
Seine Nähe.
Dieses vertraute Gefühl, dass alles in Ordnung ist.
Und dann wacht man richtig auf –
und muss wieder begreifen, dass das gemeinsame Leben nicht mehr so weitergeht.

Vielleicht ist das eine der schwersten Seiten der Trauer:
Dass man manchmal für ein paar Sekunden vergisst, was passiert ist und es dann wieder neu erfahren muss.

In einem Trauergespräch muss man solche Gefühle nicht wegmachen.
Manchmal reicht es, sie auszusprechen.
Jemandem zu erzählen, wie sehr der Mensch fehlt und einen Moment lang nicht stark sein zu müssen.
Denn Trauer ist nicht nur der Schmerz über den Verlust.
Trauer ist auch die Liebe zu einem Menschen, der nicht mehr da ist.
Vielleicht darf beides bleiben:
die Sehnsucht nach dem Menschen, der fehlt
und die Liebe zu dem Menschen, der für immer ein Teil des eigenen Lebens bleibt.