Der Umgang mit Kindern im Trauerfall – ein sensibler Weg zwischen Emotionen und Erwartungen

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Gedankenraum

Text und Bild von Stefanie Schmidt

Kinder brauchen in Trauerzeiten vor allem authentische, zugewandte Erwachsene, die ihre eigenen Gefühle zeigen und die der Kinder ernst nehmen. Die Erwartungen der Erwachsenen sollten dabei immer wieder hinterfragt werden: Was braucht das Kind wirklich – und was wünsche ich mir als Erwachsener? Nur so gelingt es, gemeinsam durch schwere Zeiten zu gehen und einen gesunden Umgang mit Trauer zu finden.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist das für Kinder oft schwer zu begreifen. Die Welt gerät aus den Fugen, vertraute Sicherheiten verschwinden. Erwachsene stehen dann vor der Herausforderung, ihre eigenen Gefühle zu verarbeiten und gleichzeitig für die Kinder da zu sein. Dabei ist es besonders wichtig, die Perspektive der Kinder einzunehmen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Kinder trauern anders

Kinder erleben Trauer anders als Erwachsene. Sie wechseln oft sprunghaft zwischen Traurigkeit, Wut, Angst und scheinbarer Unbekümmertheit. Während Erwachsene häufig erwarten, dass Kinder „wie wir“ trauern, zeigen die Kleinen ihre Gefühle manchmal in ganz anderen Formen: Sie spielen, lachen oder sind plötzlich sehr still. Das ist kein Zeichen von Gefühllosigkeit, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus. Kinder nehmen sich ihre Trauer in kleinen Portionen und suchen zwischendurch immer wieder Halt im Alltag.

Die Erwartungen der Erwachsenen

Erwachsene haben oft – bewusst oder unbewusst – bestimmte Vorstellungen davon, wie Kinder in der Trauer reagieren „sollten“. Sie erwarten, dass Kinder traurig sind, weinen oder ihre Gefühle offen zeigen. Gleichzeitig wünschen sie sich manchmal, dass die Kinder „funktionieren“, um den Alltag aufrechtzuerhalten. Diese widersprüchlichen Erwartungen spüren Kinder sehr genau. Sie merken, wenn ihre eigenen Gefühle nicht „passen“ oder wenn sie Rücksicht auf die Erwachsenen nehmen sollen.

Kinder wollen ihre Eltern nicht zusätzlich belasten. Sie verhalten sich dann vielleicht besonders brav oder ziehen sich zurück. Manche Kinder übernehmen sogar Verantwortung, um die Trauer der Erwachsenen zu erleichtern. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und die eigene Trauerverarbeitung erschweren.

Projektionen der Erwachsenen

Nicht immer sind die Beziehungen zwischen Kindern und anderen Menschen so, wie die Erwachsenen sie sich wünschen. Es ist durchaus möglich, dass die Bindung zu den Großeltern oder anderen Verwandten tiefer oder weniger tief waren, als die Eltern der trauernden Kinder es sich vorstellen. Kinder sind eigenständige Wesen mit eigenen sozialen Bindungen. Es ist sinnvoll, die Kinder zu fragen, wie sie den Verlust empfinden und sich von den eigenen Vorstellungen zu lösen.

Wie können Erwachsene Kinder gut begleiten?

  • Ehrliche Worte finden: Kinder spüren Unsicherheiten und Halbwahrheiten. Es ist wichtig, altersgerecht und ehrlich über den Tod zu sprechen. Verschweigen oder Beschönigen verwirrt mehr, als dass es schützt.
  • Fragen zulassen: Kinder haben viele Fragen – auch solche, die Erwachsene vielleicht schmerzen. Geben Sie Raum für diese Fragen und beantworten Sie sie so offen wie möglich.
  • Gefühle annehmen: Jedes Gefühl ist erlaubt. Ob Wut, Traurigkeit oder Freude – Kinder brauchen die Sicherheit, dass ihre Emotionen in Ordnung sind.
  • Rituale schaffen: Gemeinsame Rituale wie Kerzen anzünden, Erinnerungsalben gestalten oder gemeinsam an den Verstorbenen denken, geben Halt.
  • Raum geben: Erwachsene möchten die Kinder häufig beschützen und engen sie dabei ein. Es ist wichtig, Kinder zu fragen, ob sie etwa an der Bestattungsfeier teilnehmen möchten, statt sie zum eigenen Schutz auszuschließen.
  • Unterstützung holen: Manchmal ist professionelle Hilfe sinnvoll, etwa wenn Kinder sich stark zurückziehen oder auffällige Veränderungen zeigen.