Bericht aus der Sterbebegleitung

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Ein vertrautes Buch

Ich wurde gefragt, ob ich einen Menschen in einer stationären Einrichtung begleiten könne.

Er befand sich bereits im Sterbeprozess. Ich sagte zu.

Oft werde ich gefragt:

„Wie kannst du das machen? Ist das nicht merkwürdig, zu Menschen zu gehen, die man vorher nicht kennt?“

Meine Antwort ist meist:

✨ „Es ist etwas Besonderes. Es ist traurig – und schön zugleich. Und es ist jedes Mal anders.“

Vor Ort stellte ich mich ruhig vor und sagte, dass ich da bin.

An diesem Tag durfte ich einer Person begegnen, die in ihrem Bett lag, schwer atmend, unruhig, die Augen geschlossen.

Ich setzte mich leise an ihre Seite und ließ den Moment wirken.

Der Raum erzählte von einem gelebten Leben: Bilder, kleine Erinnerungsstücke, Bücher.

Man konnte spüren, dass hier viele Geschichten zu Hause waren.

Von einem nahestehenden Menschen wusste ich, was guttat.

Auf dem Nachttisch lag ein altes Kinderbuch – ein Buch aus früheren Zeiten, das heute oft vorgelesen wurde.

Als ich merkte, dass Unruhe da war, fragte ich vorsichtig, ob ich vorlesen dürfe.

Ein kaum wahrnehmbares Nicken.

Ich begann zu lesen.

Es ging um ein Stofftier, das sich auf eine Reise begibt … 🧸

Nach und nach veränderte sich etwas.

Der Atem wurde ruhiger.

Die Anspannung ließ nach.

Traurig und schön zugleich.

Traurig, weil ein Abschied nah war.

Schön, weil so viel Leben da gewesen ist – und Liebe spürbar blieb.

Später sagte die Angehörige:

„Irgendwie schließt sich ein Kreis. Früher wurde mir vorgelesen. Jetzt darf ich etwas zurückgeben.“

💛 Dasein ist mehr als anwesend sein.

Es bedeutet, im Moment zu bleiben, zuzuhören, wahrzunehmen, was gebraucht wird.

Erinnerungen Raum zu geben.

Liebe weiterzutragen.

Einfach Mensch zu sein.

So erlebe ich Sterbebegleitung:

Zeit schenken.

Vorlesen.

Eine Hand halten.

Mit dem Herzen da sein.

🐘 Fidelius – Raum für Trauer, Leben & Miteinander

🌾 Weil Nähe bleibt.